Kinderboten in der Zivilisationslandschaft
Wäre Meister Adebar tatsächlich für das Kinderbringen zuständig, um das Fortbestehen der Hessen müsste man sich ernsthaft sorgen. Während nach dem Zweiten Weltkrieg in hessischen Dörfern noch über 160 Storchenpaare nisteten, segelten um 1970 nur noch ein Dutzend Weißstörche am hessischen Himmel. Weitere 20 Jahre später war der Bestand auf ein Brutpaar zusammengeschmolzen. Zum Verhängnis geworden waren dem Weißstorch vor allem Vernichtung und Entwertung seiner Lebensräume durch Trockenlegung von Feuchtwiesen, die Begradigung von Bächen und massiven Einsatz von Pestiziden. Viele Vögel verendeten zudem an gefährlichen Strommasten und -leitungen. Günstige Bedingungen in den osteuropäischen Brutgebieten und in Überwinterungsgebieten in der Sahelzone haben in den letzten Jahren wieder zu einer Erholung der Bestände geführt. Lebensraumverbesserungen in Hessen, etwa die Wiedervernässung von Grünland in den Auen, Ausweisung von Schutzgebieten, die Renaturierung von Fließgewässern und die Verbesserung der Wasserqualität taten ihr Übriges. Heute brüten in Hessen wieder um die 60 Storchenpaare.
Im Main-Taunus-Kreis waren Ende der vierziger Jahre von den Horsten in Eddersheim, Flörsheim, Sulzbach, Hattersheim, Niederhofheim, Hochheim und Wicker lediglich noch zwei besetzt, die nur wenig später aufgegeben wurden. Erst im Zuge der Bestandszunahme Ende der neunziger Jahre konnten auch entlang des Mains wieder Weißstörche beobachtet werden. Zuerst nutzten sie gemeinsam mit Rabenkrähen und Schwarzmilanen das Nahrungsangebot auf der Mülldeponie in Wicker. Seit 2002 brütet ein Weißstorchpaar auch wieder im Main-Taunus-Kreis.