Bedrohter Asket im Müll
Der Steinschmätzer zählt zu den seltensten Vögeln in Hessen. Sein Bestand hat in den letzten 20 Jahren um 75% abgenommen. Zwischen 40 und 50 Brutpaare hat die
Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz in ganz Hessen noch gefunden. Seine vermeintliche Genügsamkeit ist dem Steinschmätzer zum Verhängnis geworden. Die nährstoffarmen, spärlich mit kurzer Vegetation bewachsenen Flächen, die er so liebt, werden immer seltener. Genau diese Bedingungen findet er paradoxerweise ausgerechnet an verschiedenen Stellen des Deponiegeländes der RMD. Das üppige Nährstoffangebot unseres Restmülls wird unter einer festen Abdichtung im Zaum gehalten, Aufwuchs wird zum Schutz der Dichtung vor Wurzelwerk kurz gehalten. Hier konnte sich mit drei bis fünf Brutpaaren eine der größten hessischen Populationen des Steinschmätzers etablieren.
Die Männchen des sperlingsgroßen Singvogels tragen einen schiefergrauen Mantel, eine tiefschwarze Augenbinde und einen auffälligen weißen Bürzel. Sie sitzen gerne aufrecht auf leichten Erhöhungen, vorzugsweise größeren Steinen, was ihnen ihren Namen eintrug. Von dort überblicken sie ihr karges Reich, halten Ausschau nach Weibchen oder Eindringlingen. Ein Steinhaufen oder ein alter Kaninchenbau dienen als Neststandort, da sind Steinschmätzer wenig wählerisch.
Der Steinschmätzer hat für den Vogelschutz besondere Bedeutung. Er ist im Anhang I der Europäischen Vogelschutzrichtlinie aufgeführt. Mit dieser Richtlinie werden alle EU-Staaten verpflichtet, für die wichtigsten Populationen der sogenannten Anhang-I-Arten in ihrem Land besondere Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Ihre Bestandsentwicklung ist permanent zu untersuchen und bei negativen Vorzeichen müssen Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Bleibt zu hoffen, dass diese Maßnahmen für den Steinschmätzer in Hessen nicht zu spät kommen.