Das schwarzweiß gesprenkelte Insekt von der Gattung 'Blauflügelige Ödlandschreck' hat einen hohen länglichen Körper und zwei lange helle Fühler.Chamäleonhaftes Wesen im Steinmeer

Wer das seltene Glück hat, eine Blauflügelige Ödlandschrecke in ihrem steinigen Zuhause zu entdecken, der wird jäh enttäuscht. Von blauen Flügeln keine Spur. Wie ein Stein sitzt das Tier regungslos in der Sonne und ist dank eines hervorragenden Tarnanstrichs kaum vom Untergrund zu unterscheiden. Waren bei der Namensgebung für die Heuschrecke also Scharlatane am Werk, haben sich frühere Entomologen einen gemeinen Scherz mit der insektenbestimmenden Nachwelt erlaubt? Natürlich nicht. Sie haben die Ödlandschrecke nur fliegen gesehen. Denn im Flug tauchen unter den tarnfarbenen Vorderflügeln prächtige Hinterflügel auf. Sie sind leuchtend blau gefärbt, tragen eine schwarze Binde und erinnern eher an Schmetterlinge denn an eine Heuschrecke. Farbenfrohe Flugshows sind bei den Blauflügeligen Ödlandschrecken aber trotzdem selten, denn sie geben ihre Tarnung nur ungern auf.

Diesen unbezahlbaren Schutz vor Feinden haben sie perfektioniert. Während ihrer Entwicklung - Männchen durchlaufen 4, Weibchen 5 Larvenstadien - passt sich das Äußere der Blauflügeligen Ödlandschrecke dem Untergrund an, auf dem sie geboren wurde. Selbst ausgewachsene Tiere sind - in geringerem Maße - noch in der Lage, ihre Außen-haut einem wechselnden Untergrund anzugleichen.

Und wenn die Ödlandschrecken doch mal fliegen müssen, schütteln sie lästige Verfolger und Beobachter mit einem geschickten Täuschungsmanöver beim Landen ab. Sie schlagen kurz vor der Landung einen gewaltigen Haken und verharren dann unbeweglich getarnt zwischen Steinen. Die ungewöhnliche Flugbahn überrascht jeden Angreifer und macht ein Wiederauffinden des Tieres fast unmöglich.

Im Main-Taunus-Kreis sind die Blauflügeligen Ödlandschrecken auf die Kiesgrubenlandschaft und die Deponie selbst sowie wenige andere nahezu vegetationsfreie, steinige oder sandige Gebiete der Main-ebene beschränkt. Nimmt der Pflanzenbewuchs mehr als 50% der Fläche ein, ist es den Ödlandschrecken nicht mehr öd genug. Wegen dieser speziellen Lebensraumansprüche zählt die Blauflügelige Ödlandschrecke zu den gefährdeten Heuschreckenarten in Hessen.

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